"My philosophy is to have a really good time and never to let anything stop me from doing what I want to do."

Lettre 'a Michel Petrucciani

                    


Die 3 Filme, deren Untertitel bez. Übersetzungen ich hier darstelle, wurden buchstabengetreu wiedergegeben, ohne die zum Teil heftigen Schreibfehler zu korrigieren.

(Rainer Wolffram)





Auswahl Perspektiven
des französischen kinos.

Lettre à ...
Briefe an ...


Michel Petrucciani

Absender: Frank Cassenti
MP
Sie wollen mich zum Reden bringen
aber ich werde nicht reden. Nein.

Du hast also mit vier Jahren
angefangen Klavier zu spielen?

MP:
Ja.

Ich habe beschlossen,
Klavier zu spielen,

übrigens aus einem seltsamen Grund.

Ich hörte Duke Ellington
und sah diese große Klavier gesehen.

Ich war noch sehr jung.

Trotz der Bigband im Hintergrund,
war ich sehr beeindruckt,

dass Klavier so deutlich heraus
hören zu können.

Man hörte es viel auffälinger
mehr als das gesamte Orchester.

Ich weiß nicht, aber das hat ...

... mich seltsam berührt.
Ich habe mir gedacht:

Das ist ein wirklich
mächtiges Instrument.

Vielleicht weil ich
seltsam war oder vielleicht

weil ich mich zeigen wollte,

habe ich eine Art "Egotrip" durchgezogen,
ganz bestimmt.

Ich empfand das Klavier
als ein sehr mächtiges Instrument,

das wirklich viel Kraft hatte,

ich wollte auch eines haben.

Wie für die Kinder von heute

war das Klavier für mich wohl
der "Goldorak" von damals.

Ja, und seitdem ...
Aber ich habe das selbst entschieden.







Lieber Michel,

Auf dem Weg zum Flughafen,

an dem Tag, als du nach
Kalifornien abgereist bist,

ist mir bewusst geworden,
dass wir in der ganzen Zeit,

die wir bei den Dreharbeiten für
diesen Film zusammen verbracht haben,

nicht ein einziges Mal
darüber gesprochen haben.

Ich habe gefilmt und du hast gespielt.

Wenn du mich gefragt hättest,
weshalb ich diesen Film mache,

ich glaube, ich hätte es dir
nicht beantworten können.

Ich weiß nur, dass der Wunsch,
einen Film über dich zu machen,

an dem Tag in mir entstanden ist, als ich

dich eine Ballade zusammen
mit Lee Konitz spielen hörte:

"I Hear A Rhapsody"



MP:
Als meine Mutter mir das
erste Klavier kaufte,

kaufte sie ein Spielzeugklavier.

Sie hatte das schönste Spielzeug
gekauft, das es damals gab.

Aber es war ein Spielzeug
und es hatte den Klang eines Spielzeugs.

Aufgrund dieses Spielzeugs,
Sagte ich mir:

"OK"

"Sie können sie nicht vorstellen,
dass ich ein echtes Klavier möchte"

"also muss ich etwas tun,
um ihnen zu verdeutlichen,

dass ich ein richtiges Klavier möchte"

"mit dem Klang eines echten Pianos."

Ich bat meine Mutter
um einem Hammer.

Ich nahm den Hammer.

Sie fragt mich "Wozu?".
Ich sagte ihr "Gib mir einen Hammer."

Ich nahm den Hammer und schlug
das Spielzeug kaput.

Ich wusste, dass sie
ihr ganzes gespartes

Geld ausgegeben hatte,
umes mir zu kaufen.

Wir waren eine arme Familie
und das war hart damals

Sie hatte 200 oder 300
Francs dafür ausgegeben,

vor 15 Jahren. Das war viel Geld.

Zwei Monate später hatte
ich ein richtiges Klavier.

Ein altes, aber ein richtiges Klavier.

Da war ich zufrieden.

Ich wusste, dass dies der einzige Weg war.

Normalerweise machte ich
so etwas nicht.

Aber da, ich weiß nicht.

Da war etwas, das mich getrieben hat,
und ich habe mir gesagt:

"Entweder ich tue etwas Schreckliches

und bekomme, was ich möchte,
oder es wird nichts daraus.

"dann ist es vorbei und ich
werde niemals ein Klavier haben."

Ich wollte keine Zeit verlieren,

weil ich ein Typ bin, der
keine Zeit verliert.

Ich hab keine Zeit zu verlieren

ich bin immer schnell und es
muss immer sehr schnell gehen!

Pass genau auf!



Was bedeutet es für dich,
zu komponieren?

MP:
Das ist wie ...

Das ist wie ein Bedürfnis, ganz einfach.

Es ist ein biologisches Bedürfnis.
Nichts Anderes.

Es muss raus, das ist alles.
Das ist nichts wirklich Geistiges.

Nur physisch.
Ich höre einen Ton,

dann fängt es an, es bewegt sich,

und nach einer Weile muss es raus.
Ja, das ist alles.

Das ist physisch. Wenn eine Melodie da ist,
muss sie raus.

Sonst werde ich krank.
Das ist wie wenn ich trinken möchte:

Wenn ich sehr durstig bin
und nicht trinke,

falle ich um.



Ich habe angefangen
Schlagzeug zu spielen.

Ich habe 8 Jahre lang gespielt.

Dann habe ich Klavier und Schlagzeug
parallel gespielt.

Ich habe übrigens immer noch eines.

Spielst du noch Schlagzeug?

MP:
Zu Hause, zum Spaß, ja.

Aber sonst traue ich mich nicht.

Zehn Sekunden davor weiß ich es.

Und manchmal nicht.

Manchmal weiß ich es nicht.
Manchmal fange ich an zu spielen

und mache irgendetwas.
Das sollte ich nicht sagen, aber es ist wahr!

Ich mach irgendetwas und plötzlich,
beim Spielen kommt es.

Ich sage mir: "Ah, ja genau!
Das könnte ich spielen!"

Auf den Kopf aufpassen.



Während der ganzen Dreharbeiten
habe ich mich gefragt, wie man dieses

besondere Gefühl zum
Ausdruck bringen könnte,

das dein Spiel bewirkt.

Manchmal hatte ich richtig Panik,
am Wesentlichen vorbeizugehen.

Erst beim Schnitt

habe ich mich daran erinnert,
was Guy Le Querrec,

der Fotograf, sagte,
der dich zum Flughafen gebracht hat.

"Man darf nie zu nahe
an den Bahnsteig gehen,

sonst läuft man Gefahr,
vom Objekt erfasst zu werden."



Ich erinnere mich an den ersten Drehtag.

Wir kannten uns nicht

und du warst für ein einziges Konzert
mit Charles Lloyd auf der Durchreise in Paris.

Dieser erste Tag war sehr hart für mich.

Die Kamera war weit weg,
ich hatte Angst, dich zu stören.

Von diesem Tag, an dem wir
nur ein paar Worte gewechselt haben,

habe ich nur eine kurze Sequenz behalten.

Eine Ballade.

- Ist das mit Charles Lloyd?
- Ja,

AR:
Die Becken sind sehr wichtig!

Als du zusammen mit Lee Konitz
nach Paris zurückgekommen bist,



habe ich beschlossen, zu versuchen,
mit dem Film weiterzumachen.

An diesem Tag bin ich früher
zur Probe gekommen.

Aldo Romano bereitete
sein Schlagzeug vor,

während die Fotografen untereinander
deine verschiedenen Konzerte diskutierten.

MP:
Das ist gut.

Ich habe nie aufgehört,
Klavier zu spielen.

Ich habe mit vier Jahren angefangen und
nie aufgehört, daran zu denken.

Da ich einen Vater habe,
der Gitarre spielt,

und der den Jazz wahnsinnig
liebte ...

Ich war ganz klein und die ganze Familie,
auch meine beiden Brüder zum Beispiel,

hörten nichts Anderes,

Wir spielten Murmeln und
hörten es im Hintergrund.

Er hat mich nicht gedrängt,
weil ich Kust dazu hatte,

aber er hat mir eine wirklich
sichere Grundlage gegeben.

Das heißt, er hat mir gesagt:
"Die Musik ist etwas Ernstes."

"Wenn du Musik machen willst,
musst du hart daran arbeiten."

Mann könnte sagen,
ersetzte mich unter Druck

Mit Mitteln, die manchmal
etwas hart waren

nun weiss ich, dass er es auch etwas
ruhiger hätte angehen lassen können.

Aber gut, jetzt ist es erledigt,
ich bedaure es nicht.

Wenn ich sage hart,
dann waren es manchmal 8,

9 oder 10 Stunden pro Tag.

Ansonsten gab es auf den Hintern.

Es gab sogar Schlimmeres,
nämlich die Demütigung,

durch seine Worte.
Ja, es war sehr hart.

Es gab auch eine Familienband,
mit meinem Bruder Louis am Bass,

meinem Vater an der Gitarre,

mit mir am Klavier und einem
Schlagzeuger aus dem Ort.

Das war jemand aus der Gegend,

der übrigens jedem Monat
ausgetauscht wurde,

weil es anscheinend nicht funktionierte.

Wenn du da angekommen bist,
auch wenn du zum Beispiel Sizilianer bist,

wenn du also ein Ausländer bist,
wirst du überrascht.

Verstehst du, was ich sagen will?

Die Typen hielten es nicht aus,
sie blieben nicht.



Sie blieben nie länger als einen Monat,
das war verrückt mit uns.

FC:
Und da hast du dein
erstes Konzert in Paris gegeben?

MP:
Ja genau. Das war mein erstes Konzert.



(Es spielen: Michel Petrucciani (p), Lee Konitz (alto sax), Louis Petrucciani (b), Aldo Romano (d)) FC:
Nach der Probe

haben wir uns in einem
Restaurant getroffen,

um dort die Zeit bis zum Beginn
des Konzerts zu verbringen.

Aber du hast mir gesagt, dass ich
die Zeit der Entspannung nutzen könnte,

um dir genauere Fragen
zu dieser grundlegenden

Beziehung zu stellen,

die dich mit dem Klavier verbindet

und die nicht nur mit dem Bereich
der Musik zu tun hat.

Ich wartete den passenden Moment ab,
um mit dir zu sprechen,

aber es kam nichts heraus.

Ich hatte den Eindruck,
als liefe die Kamera im Leerlauf.

Aber ohne mir dessen bewusst zu sein,
filmte ich diese

besonderen Momente vor einem Konzert,

in denen sich hinter der
scheinbaren Banalität der Worte

etwas Anderes verbirgt.





MP:
Ein schöner obszöner Witz.

Nein. Die Geschichte
mit dem Hund ohne Pfoten.

Ein Typ ist in einem Café
und hat einen Hund ohne

Pfoten unter dem Tisch.
Einen kleinen Pudel.

Sein Freund, der mit ihm isst, sagt zu ihm:
"Sag mal Albert, dieser Hund ist super",

"so ein Hund muss ja
vielleicht einen Namen haben!

Wie heißt er?"

Der andere antwortet "Dieser
Hund hat keinen Namen."

"Bist du verrückt!
So ein ungewöhnlicher Hund

ohne Namen, das ist eine Katastrophe!"

"Das geht nicht"

Darauf antwortet der andere:
"Hör mal, ich werde dir etwas sagen."

Wenn ich ihm einen Namen gäbe,
könnte er mir trotzdem nicht folgen."

Das ist mies!

Sehr dandyhaft!

Weshalb sind da diese Dinger?

Gehen Sie aufrecht,
damit ich sehen kann, wohin ich gehe.

Das habe ich zu meinem Freund gesagt.

Der Kerl macht mir Angst.

(Konzert)



Als ich klein war,
hatte ich viele Komplexe.

Als ich anfing Klavier zu lernen ...

Wenn du das Klavier aufmachst ...

Sind da die Zähne des Klaviers.

Es kam mir immer so vor,
als würde das Klavier lachen.

Immer kurz bevor ich spiele.

Schon seit ich ganz
klein war habe ich einen

Komplex wegen des lachenden Klaviers.

Los doch, versuche es nur,
mich zu spielen.

Schon als ich ganz klein war,
sah ich beim Spielen

immer diese lachenden Zähne,

richtig ironisch lachend.

(Konzert)





Ich spiele lieber mit Anderen zusammen
Ich spiele nicht gerne solo.

Das ist etwas,
was ich nicht besonders mag.

Weil ich gerne kommuniziere.

Wenn ich allein bin,
habe ich immer das Gefühl,

ein Staubsaugervertreter zu sein.

Ich klopfe an, ich sage "Guten Tag,
das hier kann ich Ihnen anbieten".

Du bist ganz allein, das ist nicht lustig.
Wenn Andere sabei sind,
Freunde, die du gerne magst,

passiert etwas.

Es gibt Vibrationen,
einen Blick, ein Lächeln.

Du hast Lust,
für die Musiker zu spielen.

Wenn du solo spielst, spielst du ganz sicher
nur für das Publikum.

Die Leute verstehen es,

aber du bist nie so sicher,
wie wenn ein Musiker dabei sind.

Dann bist du zumindest sicher,
dass der Musiker es verstanden hat.

Beim Publikum bist du nicht immer unsicher,
ob es begriffen hat.

Und du weißt nie,
ob du dich verständlich machen konntest.

Sich verständlich zu machen,
ist auch hart.



(Fahrt zum Flughafen) Für mich ist dieser Aufbruch nicht neu.

Ich bin schon vier Mal gegangen
und bin ein Jahr in den USA geblieben.

Ich habe ein Land gewählt, das mir gefällt.

Meine Frau ist dort.

Ich möchte mit ihr zusammen sein.

Das ist alles, ganz einfach.

Ich möchte mich auch zurückziehen,
um Klavier zu spielen.

Mich auf etwas Ernsteres konzentrieren.

Was ich mache, ist ernst,
aber es gibt auch noch Anderes.

Ich brauche Zeit.

Ich habe einen schönen Flecken gewählt,
Sonne, Bäume, Obst.

FC:
Bei den Dreharbeiten ging es mir
hinter der Kamera oft,

so wie dir vor dem Klavier,

dass ich zehn Sekunden bevor
ich "Kamera läuft" sagte,

nicht wusste, was ich filmen würde.

Ich warte, bis du zurück bist,
um dir den Film zu zeigen,

der dir besser als Worte sagen wird,
was ich empfinden, wenn ich dir zuhöre.



Image
Jean-Michel Huneau

Assisté de
Bruno Privat
Barcha Bauer

Chef electricier
Serge Pinson

Son
Jean-Louis Richer

Montage
Nicolas Barachin
Jenny-Paule Blasko

Assistants-réalisateur
René Richon
Eric Belassen

Chargeé de production
Liane Willemont

Photograpes
Marie-Paule Nègre
Yves Carrière
Guy Le Querrec

Banc-titre
Jean-Claude Rubon

Ce film a pu être réalisé grâce au concours de :
Michel Petrucciani/ Lee Konitz/ Charles Lloyd
Aldo Romano/ Gabreal A. Franklin/
Jean-Jacques Pussiau/ André Francis/
Ariel Chadourne du magazine Aujourd'hui en
France, du Ministère des relations extérieures
A21/ Daniel Magne-Pianos Bosendorfer.

Les thèmes interprétes par
Michel Petrucciani
et Lee Konitz
sont enregistrés chez
Owl Records

Mixage
Auditel/ Paul Bertault
Laboratoire S.F.P.

Un film de
Frank Cassenti

© Frank Cassenti/ INA - 1983



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